
ein Film von Kasper Kalle
Dänemark 2026, 103 Minuten, Originalfassung in Dänisch & Färöisch mit deutschen Untertiteln
FSK 16
ein Film von Kasper Kalle
Baldur, ein junger Fischer lebt eine gottesfürchtige Existenz in einem kleinen Dorf auf den Färöern. Der Alltag ist geprägt vom Kampf gegen die Natur, der unzählige Männer zum Opfer fielen, wie auch sein Vater schon. Während eines Sturms rettet er Helge aus den Fluten. Der dänische Matrose lebt daraufhin mit Baldur und seiner Mutter. Während diese in ihm einen potentiellen Ehemann für sich selbst sieht, bringt Helge auch in Baldur lange unterdrückte Gefühle an die Oberfläche. Doch als die beiden von einer Tragödie auseinandergerissen werden, entfesselt Baldurs Sehnsucht eine mystische Kraft aus dunkler Vorzeit.
Im Stil skandinavischer Gothic-Erzählungen inszeniert Regisseur Kasper Kalle in seinem zweiten Spielfilm eine Liebe, die sich gegen alle Widrigkeiten behauptet – auch gegen den Tod. Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „Manor“ (1884) von Karl Heinrich Ulrichs, eines der ersten modernen literarischen Werke, das schwules Begehren explizit benennt. „Eine Matrosengeschichte“ ist schaurig-schönes Kino zum Schmachten: Model Egor Venned brilliert in seiner Debütrolle als Baldur und wurde beim Fantasia International Film Festival mit dem Preis für die Herausragende Schauspielerische Leistung ausgezeichnet.
„Eine Matrosengeschichte“ vereint in sich Themen, die mich als Filmemacher besonders beschäftigen. Sexualität und die Grenzen zwischen den Geschlechtern, stehen seit jeher im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ungezähmte Natur, die zu einer eigenständigen Figur in der Geschichte wird. Und die Dunkelheit, die ich mit einer schwulen Liebesgeschichte verwebe, sodass Sexualität und Liebe Hand in Hand mit Horror gehen.
„Eine Matrosengeschichte“ basiert auf der Kurzgeschichte „Manor“ des deutschen Autors Karl Heinrich Ulrichs, die er 1884 verfasste. Dabei handelt es sich um eine der ersten Geschichten, die ganz offen schwule Liebe erzählen. Ein Meilenstein queerer Geschichte, und doch wissen nur sehr wenige um ihre Existenz.
Der Film spielt 1862 auf den Färöern. Die raue und karge Landschaft der Inseln passt perfekt zu den Themen der Geschichte. Diese abgelegenen Felseninseln, atemberaubend schön und bedrückend zugleich. Wohin man auch blickt, ist man von der tosenden See umgeben, und der Rest der Welt fühlt sich extrem weit entfernt an. Es muss sich sehr einsam angefühlt haben 1862 auf den Färöern schwul zu sein.
Obwohl der Film vor mehr als 150 Jahren spielt, hält er auch für heute noch große Relevanz. Ich bin schwul, und in meiner kleinen Heimatstadt war das so ziemlich das Schlimmste, was man sein konnte. Es herrschten sehr eng gefasste Vorstellungen davon, wie sich ein Junge zu verhalten hatte. Das war noch vor dem Internet, weshalb ich auch keine anderen Schwulen kannte. Es gab niemanden, den ich als Vorbild empfand, niemanden, mit dem ich reden konnte, niemanden, in dem ich mich wiedererkennen konnte. In vielerlei Hinsicht fühlte es sich an, als würde ich auf einer abgelegenen Insel leben, weit weg vom Rest der Welt, und ich kämpfte darum, von den Menschen um mich herum akzeptiert zu werden.
Beinahe bei allen meinen schwulen Freunden erkenne ich diesen geteilten Schmerz, der bis in die Kindheit und Jugend zurückreicht. Ein Schmerz, der in tiefer Einsamkeit und der ständigen Angst davor entdeckt zu werden und vor Ausgrenzung wurzelt. Vielleicht bin ich deshalb so fasziniert von der Verbindung aus queerer Liebe und Horror. Unter dem verbotenen Verlangen liegt ein Keim aus Furcht, und für queere Menschen, die damit aufwuchsen, ihr wahres Ich zu verbergen, spricht Horror die Sprache ihrer Ängste und ihrer Scham.
So wie die tosenden Naturgewalten der Färöer-Inseln, die sich nicht zähmen lassen, handelt „Eine Matrosengeschichte“ von jener Kraft in uns, die wir weder unterdrücken noch kontrollieren können. Sexualität und Liebe sind Teil dieser Natur. Sie sind unaufhaltsam, und für manche deshalb eine furchterregende Kraft.
Auch wenn „Eine Matrosengeschichte“ von schwuler Liebe handelt, richtet sich der Film doch an alle. Ob wir nun schwul oder hetero sind, im Jahr 1862 oder heute leben – wir alle wissen, was es bedeutet, sich nach etwas zu sehnen, das wir nicht haben können, oder uns durch die Erwartungen anderer beengt zu fühlen. Das Bedürfnis, so gesehen und akzeptiert zu werden, wie wir sind, ist universell, und wenn wir uns öffnen und wirklich versuchen, einander zu verstehen, sind wir letztendlich gar nicht so unterschiedlich.
Regie
Kasper Kalle
Drehbuch
Rasmus Birch, Kasper Kalle, nach der Kurzgeschichte „Manor“ von Karl Heinrich Ulrichs
Kamera
Jacob Møller
Leitender Art Director
Sámal Blak
Szenenbild
Louise Bruun
Kostüm
Louize Nissen
Schnitt
Mads Michael Olsen, Mark Bukdahl
Ton
Morten Groth Brandt, Anne Gry Friis Kristensen, Sigrid D.P.A. Jensen
Musik
Hettarher
Vfx
Alexander Schepelern, Anja Philip
Herstellungsleitung
Jacob Svensson
Postproduktion
Lina Wichmann
Leitender Produzent
Lars Bjørn Hansen
Produzent
Lars Bredo Rahbek
Koproduzent:innen
Jón Hammer, Kristinn Thordarson, Leifur B. Dagfinnsson
Baldur
Egor Venned
Helge
Pilou Asbæk
Ásla
Sofía Nolsøe
Jákup
Johannes Haukur Jóhannesson
Suni
Kjartan Hansen
Beinta
Brimheim
Harald
Búi Egason Dam
Vígdis
Noomi Kunoy Heradóttir
Pfarrer
Klaus Søndergaard