queerfilmfestival 2021

Cicada

ein Film von Matthew Fifer & Kieran Mulcare

US 2020, 94 Minuten, OmU

Cicada

ein Film von Matthew Fifer & Kieran Mulcare

Frisch verliebt in New York

Ben ist „back on the dick“: Nach einer Reihe gescheiterter Beziehungsversuche mit Frauen hat der New Yorker Gelegenheitsjobber endlich wieder Sex mit Männern. Die Anbahnungen laufen zunächst eher random ab, online oder in Clubs. Doch dann begegnet er vor einem hippen Buchladen dem Datentechniker Sam und flirtet ihn erfolgreich mit Nietzsche an. „Du strahlst“, stellt Bens Schwester überrascht fest. Doch Ben und Sam tragen beide Wunden mit sich herum, die noch nicht verheilt sind.

Matthew Fifer und Kieran Mulcare betten ihre schwule Liebes­geschichte in den faszinierenden queeren Kosmos New Yorks zwischen Clubbing, Kulturevents und sexueller Intimität ein. In dem sehr persönlichen Film erzählen sie von zwei jungen Männern, die füreinander ihre inneren Mauern fallen lassen und dahinter Schönheit entdecken.

Galerie

Director's Statement
Matthew Fifer über seinen Film

„Cicada“ war das Geheimnis, das ich niemals erzählen wollte. Es war aus einer Notwendigkeit heraus geboren. Ich war es leid, dieselbe Missbrauchsgeschichte wieder und wieder erzählt zu sehen – Traumatisierung um der Dramaturgie willen, Schmerz ohne Leichtigkeit, Filmemacher, die Erfahrungen vermittelten, die sie nicht selbst gemacht hatten – kollektive Traumatisierungen. Tatsächlich ist eins von drei Mädchen und einer von fünf Jungen sexuell missbraucht worden, bevor sie das Alter von achtzehn Jahren erreichten. Missbrauchte gibt es in allen Formen und Größen, Missbraucher sind immer noch menschliche Wesen und keine eindimensionalen Monster. Keins dieser Narrative kommt einer Auseinandersetzung mit dieser Wahrheit nahe.

Ich musste eine Geschichte erzählen, die meiner eigenen näherkam. Ich musste diesen Film machen, um gesund zu werden.

Drei Monate vor Produktionsbeginn wurde mein Freund und Mitregisseur Sheldon Brown in Chicago niedergeschossen. Wir wussten nicht, ob er wieder gesundwird und ob wir weitermachen sollten. Er war immer ein integraler Bestandteil dieser Geschichte und war seit der allerersten Seite in meinem Herzen. Das Projekt zerfiel über Nacht.

Seitdem hatte ich immer wieder dasselbe Gefühl. Meine Erfahrungen fühlten sich unwichtig an verglichen mit seinen. Bei seinen Wunden ging es um Leben und Tod, geliebte Menschen mussten mit der sehr realen Möglichkeit fertigwerden, dass sie ihren besten Freund verlieren würden. Er hatte Narben, die er berühren konnte. Mein Schmerz fühlte sich fern und taub an. Er war jetzt nur noch ein böser Traum.

Es war Frühling. Sheldon kam aus dem Krankenhaus, die Zikaden beschallten die New Yorker Nächte. Ich wusste nichts von Sheldons Schmerz – nicht einmal, ob Sheldon selbst sich seines Schmerzes bewusst war, aber im Herzen versöhnte diese Geschichte die Wahrheit. Und ich wusste, falls er gesund genug war, konnten wir sie zusammen erzählen.

„Cicada“ ist ein Film, der mit den zwei Schauspielern, die auf der Leinwand ihre eigenen Erfahrungen wiederbeleben, die Balance zwischen Spiel- und Dokumentarfilm hält. Er ist ein Film über Liebe und Verlust, großen Schmerz und auch enorme Freude. Und er ist gewachsen und hat sich so viele Male verwandelt wie die uralten Wesen, deren Namen er trägt. Wir hoffen, dass dieser Film andere dazu inspiriert, Heilung zu finden; er erzählt eine Geschichte, die ich gerne gehabt hätte, als ich aufwuchs.

Biografien

MATTHEW FIFER (Buch, Regie, Co-Schnitt & Hauptrolle) ist ein Filmemacher aus Brooklyn. Sein Handwerk erlernte er bei der Regisseurin Laurie Collyer („Sherrybaby“), neben Studien in Theorie und Philosophie. Er arbeitete an Kurzfilmen, Werbespots und Großproduktionen wie „The Avengers“ (2012) und „Saiten des Lebens“ (2012) mit. 2016 und 2017 stand er auf den Top-10-Listen für die Besten Webserien des Jahres. „Cicada“ ist sein Langfilmdebüt als Regisseur.

KIERAN MULCARE (Co-Regie) ist ein Absolvent der UNC School of the Arts. Bekanntheit als Schauspieler erlangte er durch die Rolle des Ruben in der Marvel-Serie „Jessica Jones“ und die Rolle des White Rabbit in der DC-Serie „Gotham“. Weitere Auftritte hatte er u.a. in den Serien „The Following“, „Broad City“, „Law and Order: SVU“, „The Blacklist“ sowie in diversen Kurzfilmen. „Cicada“ ist sein Regiedebüt.

SHELDON D. BROWN (Sam) machte seinen Schauspiel-Abschluss am Emerson College in Boston. Er wurde für die Hauptrollen in den Stücken „This Bitter Earth“ (About Face Theater) und „The Shipment“ (Red Tape Theatre) gecastet. Zu seinen bisherigen Auftritten zählen „Feral“ (MPAACT Theatre Company), „American Revolution“ (Theater Unspeakable) und die Bühnenlesung von „The Gospel of Lovingkindness“ (Victory Gardens). In Boston stand er u.a. für Regisseur Peter Brook in „The Grand Inquisitor“ auf der Bühne sowie für das Gemeinschaftsprojekt „The Shakespearean Jazz Show“.

Credits

Cast

Ben

Matthew Fifer

Sam

Sheldon D. Brown

Debbie

Sandra Bauleo

Amber

Jazmin Grace Grimaldi

Sophie

Cobie Smulders

Crew

Buch & Regie

Matthew Fifer

Ko-Regie

Kieran Mulcare

Produzenten

Jeremy Truong, Ramfis Myrthil

Ausführender Produzent

Adam Peryer

1. Regieassistenz

Owen Lazur, Brandon Scotland

Aufnahmeleiter

Ramiel Petros

Kamera

Eric Schleicher

Tonmischung

Vivian Gisle, Travis Scott Jones

Haare und Make-up

Lily Li, Mia Varrone

Produktionsdesign

Chris Weihart

Künstlerische Assistenz

Azalea Aznidi

Produktionsassistent*innen

Ian Udulutch, Wendy Chen, Katie Dionne, Henna Joshi, Maria Luiza Mueller, Adam Roat, Mac Curry Ross, Sultan Ali, Shaneka Williams, Roi Gold

Schnitt

Kyle Sims, Matthew Fifer

Tonmeisterin & Re-Recording Mixer

Gisela Fulla-Silvestre

Tonschnitt

Ben Kruse

Foley-Künstler

Tommy Stang

Musik

Gil Talmi

Leiter der Postproduktion

Ahmed Barbary

Kolorist

Tarek Hefny

eine Produktion von rubbertape und Beast of the East Productions