Dienstag, 13. September 2022

Anima – Die Kleider meines Vaters

ein Film von Uli Decker

DE 2022, 94 Min., deutsche OF

Anima – Die Kleider meines Vaters

ein Film von Uli Decker

Eine wahre Geschichte über Familiengeheimnisse, Geschlechterrollen und eine Kindheit in der bayerischen Provinz

Die kleine Uli will Pirat oder Papst werden, aber auf keinen Fall den Rollenstereotypen ihres bayerischen Heimatortes entsprechen. Nach dem Tod ihres Vaters bekommt sie von der Mutter seine „geheime“ Kiste als Erbe ausgehändigt. Der Inhalt – hochhackige Schuhe, künstliche Fingernägel, Schminke und eine Echthaarperücke – verändert ihren Blick auf den Vater, ihre Familie und die Gesellschaft, in der sie aufwuchs.

Uli Decker erzählt die berührende Lebensgeschichte ihres Vaters als tragisch-komische Achterbahn¬fahrt durch animierte und dokumentarische Bilderwelten – und wurde dafür dieses Jahr vollkommen zu Recht mit dem Max-Ophüls-Preis für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet!

Biografie

ULI DECKER (Buch & Regie) wurde in den Bergen Südbayerns in Deutschland geboren. Nachdem sie ein Jahr lang bei Bauern im Amazonas-Regenwald in Brasilien gelebt hatte, studierte sie spanische und portugiesische Literatur sowie Theater- und Filmwissenschaft am King’s College London, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universidad Complutense Madrid. Sie reiste viel in verschiedene Länder und lernte so die meisten romanischen Sprachen. Begleitend zu ihrem Studium arbeitete sie als freie Journalistin, Schauspielerin, Regieassistentin in Theatern und Filmproduktionen und begann, eigene Filme zu drehen. Um sich auf Dokumentarfilme zu spezialisieren, machte sie ihren Master in Creative Documentary an der Universidad Pompeu Fabra in Barcelona und ihre Spezialisierung als Kamerafrau an der Film Arche Berlin. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Kamerafrau und Filmemacherin für Videoclips und Dokumentationen und gründete 2012 ulises films.

  • 2010

    „Timeless“ (KF)

  • 2011

    „Die Mitschläferin“ (KF)

  • 2017

    „Kelly“ (Dok.)

  • 2019

    „Hassan“ (Dok.-KF)

  • 2019

    „Vater“ (Dok.)

  • 2022

    „Anima – Die Kleider meines Vaters“

Director’s Statement
Uli Decker über ihren Film

Als ich aufwuchs, war mir klar, dass einem bestimmte Dinge auf keinen Fall über die Lippen kommen dürfen, weil man sie noch nie jemanden sagen gehört hat. Das Unsagbare wird unfühlbar, undenkbar, unsichtbar, unlebbar – verbannt in die geheimen Winkel, die sich mit niemandem teilen lassen. Dort bleibt jeder einsam, während an der Oberfläche ein anderes Stück aufgeführt wird. Schweigen und Scham graben sich in jede Körperzelle und prägen uns, auch wenn wir gar nichts von ihrer Ursache wissen.

Seit mein Vater starb und ich sein Geheimnis erfuhr, hatte ich einerseits das Gefühl, dass das Leben mir eine Geschichte gegeben hatte, die erzählt werden müsse, andererseits versuchte ich, ihr zu entkommen. Doch sie holte mich immer wieder ein. Daraus einen Dokumentarfilm zu machen, war für mich lange Zeit schwer vorstellbar, denn ich hatte Panik, meine Familie und mich dadurch bloßzustellen und allzu Privates auszuplaudern.

Beim Ringen um die Form half mir die Entscheidung, mit Fantasie und Humor zu spielen und den teils tragischen Inhalt auf formaler Ebene in einen hybriden, queeren, teils barocken, letztlich lebensbejahenden Film zu übersetzen. Wichtig war mir vor allem, die Zuschauer auf eine innere Reise mitzunehmen, die enge Kategorien sprengt und den Blick öffnet für tiefe menschliche Erfahrungen und den weiten Sehnsuchtshorizont.

Credits

Crew

Regie

Uli Decker

Buch

Uli Decker, Rita Bakacs

Schnitt

Amparo Mejías, Frank Müller

Kamera

Siri Klug

Animation

Falk Schuster & Crew

Musik

Anna Kühlein

Songs

Cora Frost

Dramaturgie

Sabine Steyer-Violet

eine Produktion von FLARE FILM, Katharina Bergefeld und Martin Heisler
mit Unterstützung von ZDF Das kleine Fernsehspiel, BKM Kulturelle Filmförderung des Bundes, FFF Bayern, MDM Mitteldeutsche Medienförderung, Deutscher Filmförderfonds der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Berlinale Talents
im Verleih von farbfilm verleih

Presse